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 Der Eichelhäher, der bunteste der Europäischen Rabenvögel löscht gerade seinen Durst - Foto: Beat Rüegger, ornifoto.ch


Bei Überfluss an Nahrung legen Eulen, Spechte, Meisen, Kleiber und Rabenvögel Vorräte an. In dieser «Disziplin» hat es der Eichelhäher zu grosser Meisterschaft gebracht. Er versteckt Baumfrüchte einzeln und tarnt sie sorgfältig. Stets ist er darauf bedacht, dass ihm niemand zuschaut. So verhindert er, dass Artgenossen heimlich seine Verstecke plündern. Je nach Angebot lagert der Eichelhäher auch Haselnüsse, Buchnüsschen und Esskastanien ein.

Die Eichelsaison dauert nur etwa drei Wochen. Dann sammelt und vergräbt jeder Eichelhäher 3000 bis 5000 Eicheln! Die Vorräte werden im Winter und Frühling regelmässig genutzt und oft noch zum Füttern grosser Nestlinge eingesetzt. Die Verstecke werden selbst noch unter einer Schneedecke von 40 cm gefunden! Wie sich der Eichelhäher Tausende von Verstecken merken kann, ist noch nicht geklärt.

Die Beobachtung von Eicheln fressenden Hähern verleiteten Forstkreise vergangener Jahrhunderte dazu, diesen Waldvogel als Schädling zu diffamieren und intensiv zu bejagen. Das Gegenteil ist richtig: Eicheln, welche nicht gefunden oder genutzt werden, keimen aus und wachsen zu neuen Bäumen heran. Dabei hatte das bereits der griechische Philosoph und Naturforscher Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) beobachtet. Nun wird dieser Vogel wieder als das geschätzt, was er ist: ein Forstgehilfe.

Der einst scheue Waldvogel hat sich in den letzten Jahrzehnten ins Siedlungsgebiet vorgewagt und zeigt auch hier kurzweiliges Tun. Allen bekannt ist der rätschende Ruf, der Gefahr anzeigt. Dabei unterscheidet er zwischen lauten Familien und Sportlern einerseits und verdächtig schleichenden Ornithologen, Jägern und Fotografen. Erstere lässt er unbehelligt, letztere verpetzt er mit heiserem Schrei. Wenn sich Eichelhäher unbeobachtet fühlen, geben sie sich ausgiebiger Körperpflege hin. Dazu gehört Baden in seichtem Wasser und ab und zu ein Sonnenbad. Beim Einemsen (Emse = Ameise) setzt sich der Eichelhäher in einen Ameisenhaufen, spreizt das Gefieder und lässt Ameisen hinein krabbeln. Oft greift er Ameisen mit dem Schnabel und streicht damit übers Gefieder. So bekämpft er Lästlinge mit Ameisensäure. Von der Nachahmung wird dringend abgeraten!

Christoph Vogel-Baumann

 

 

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